Tag 179 – Gatschen, gerxen und gluntschen

Hab heute neue Schuhe geschickt bekommen. Hatte ich vor zig Wochen bestellt. Extra für die WM in Brasilien. Ursprünglich dachte ich, ich hätte sie in brasilianisch-gelb bestellt. Jetzt kamen die an und sind rot. Ist ja auch egal. Man soll eben nachts keine unnötigen Bestellungen übers Internet machen. Die Schuhe müssen überdies gut und gerne 2 Monate unterwegs gewesen sein. Konnte mich an die Bestellung nämlich eigentlich überhaupt gar nicht mehr erinnern.

So. Schuhe ausgepackt. Schnürsenkel gezurrt. Schuhe anprobiert. Vielmehr: Anprobieren wollen. Sind viel zu eng. Sind wohl um einiges eingegangen auf dem Weg von Hongkong hierher. Zwänge mich hinein. Nix. Ziehe die Schnürsenkel so weit es geht auseinander. Der Schuh sieht nun furchtbar aus. Probiere, den Fuß irgendwie reinzuquetschen. Klappt schließlich nach gefühlten 15 Minuten. Steht mir, der Schuh, denke ich ich. Muss mal ein Foto davon posten, sonst glaubt mir das keiner, wie schön sie sind.

Schuhe

Macht einen schlanken Fuß, denke ich, und freue mich. Und praktisch obendrein: Ist ja Winter in Brasilien, wenn wir da sind, hält schön warm.

Das Blöde ist nur: Die „gerxen“ so, wenn man damit umherläuft (Saarländer wissen, was „gerxen“ ist). Das ist nicht zu verwechseln mit „gatschen“. „Gatschen“ beschreibt einen Zustand, wenn irgendeine Konstruktion „zu viel Spiel“ hat. Zum Beispiel eine Schaukel, die hin und her „gatscht“, wenn die Standpfosten nicht fest genug installiert sind. Und wenn die Kleinen dann die gatschende Schaukel, die unter Umständen sogar gerxen kann, benutzen, dann „gluntschen“ sie. Mann –  was man anhand neuer Schuhe alles erklären kann! Sowas gibt es eben nur im Saarland.

Genug mit den Schuhen rumhantiert. Ziehe sie wieder aus. Vielmehr: Will sie wieder ausziehen. Sitzen aber zu fest. Ruckele ein bisschen. Ruckele ein bisschen mehr. Lasse sich aber nicht ausziehen. Ziehe alle Schnürsenkel in den obersten drei Reihen bis an den äußersten Rand heraus. Hilft nix. Ziehe die Schnürsenkel von oben bis unten fast komplett heraus. Lockere den Schuh. Er steckt immer noch irgendwo fest. Bitte meine Frau um Hilfe. Ein Ruck – und da ist er schon! Na, wer sagst denn.

Plötzlich kommen mir Bedenken wegen Michels famosen Trick vom Tag zuvor. Wie um Himmels willen soll ich es alleine schaffen – bei den engen Schuhen – an mein Bargeld zu kommen, das ich aus Sicherheitsgründen und zum Schutz vor Verbrechern in meinen Schuhen bzw. sogar in meinen Strümpfen verstecken will, um eine Limo am Strand zu kaufen?

Und gar nicht auszudenken, wenn es zu einem unerwünschten Zwischenfall kommt: Wie soll ich reagieren bei einem Überfall, wenn es heißt: „Hände hoch, das ist ein Überfall, geben Sie mir all Ihr Bargeld. Aber sofort!“ Soll ich dann etwa sagen „Machen Sie jetzt keinen so Stress, ich brauche noch 15 Minuten, bis ich meine Schuhe aus hab‘.“ oder „Jetzt mal halb lang, lieber Herr Räuber, gut Ding braucht Weile.“?

Eiieiei. Ich seh schon. Die Schuhe bleiben zu Hause. Oder das Bargeld.

Zum Abschluss noch was Erfreuliches:

Habe heute Abend das Schwenkbratengewürz ausprobiert, das ich vor ein paar Tagen gekauft hatte. Klasse-Sache, schmeckt wirklich vorzüglich! Der Schwenkbraten auf dem Bild in der Mitte ist es. Severine, unsere Französisch-Austauschlehrerin, die gerade bei uns logiert, ist auch begeistert.

Schwenkbraten Gewürz

 

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